Ich bin ein Mensch, der Geburtstage für wichtig erachtet. Es ist der einzige Tag im Jahr, an dem ich mich wichtig fühlen kann, wichtig fühlen darf, an dem ich mal ohne schlechtes Gewissen egoistisch sein darf und an dem ich die Aufmerksamkeit bekomme, die jeder auch gerne an anderen Tagen hätte. Sprich: der Tag, an dem ich die Hauptperson bin. Daher reagiere ich auch schon grantig, wenn einer meiner Freunde vergisst, mir zu gratulieren. In der Mittelstufe hat das eine damalige Freundin wohl deutlichst zu spüren bekommen …
Und damit ich an so einem Tag auch nicht zu kurz komme, muss gefeiert werden. Jedes Jahr. Je nach Laune eine große Grillparty, ein Tag mit den besten Freunden auf dem Straßenfest oder ein Abend mit den besten Freunden in einer Bar. Letzteres war dieses Jahr der Fall. Zumindest für meine „neuen“ Freunde, also diejenigen, die ich erst seit dem Studium kenne, was bedeutet ein bis zwei Jahre. Fast alle waren sie, hatten sich Gedanken um Geschenke gemacht (voll tolle übrigens!) und haben mit mir gemeinsam einen tollen Abend verbracht.
Und dann ist da noch der andere Teil der Freunde … diejenigen, die ich noch aus der Schulzeit, wo der Kontakt eher sporadisch ist, aber die ich schon seit vier, fünf, zehn Jahren kenne. Mit denen ich wollte am Tag darauf, wenn ich wieder in der Heimat bin, aufs Straßenfest gehen. Straßenfest – wie jedes Jahr an oder um meinen Geburtstag herum und schon so oft als Geburtstagslokation missbraucht. Habe rechtzeitig die Mail dazu rumgeschrieben, an die wenigen Freunde von damals, da zum Straßenfest ja eigentlich fast jeder nach Hause wenn. Nach fünf Tagen kam die erste Antwort: „ich bin dieses Jahr leider nicht am Straßenfest in Backnang“. Hmpf, dachte ich mir, schade.
Kurz darauf die nächste Antwort. Die anderen Antworten kamen nur auf Nachfrage. Und alle lauteten sie in etwa gleich: „ich habe keine Zeit“. Einmal der Vorschlag, sonntags was zu machen. Ich war enttäuscht. Und begann mich wirklich zu fragen, wer meine Freunde sind.
Ich meine, mir geht es ja nicht nur darum, Geburtstag zu feiern und im Mittelpunkt zu stehen, sondern auch die Leute mal wieder zu sehen, mal wieder mit ihnen reden (man hört ja sonst nichts mehr von ihnen), Neuigkeiten auszutauschen, mal wieder gemeinsam feiern. Aber nein. Keiner kam auch nur auf die Idee, man könnte sich ja am Straßenfestwochenende treffen. Und dann hat niemand, aber auch wirklich niemand Zeit was mit mir zu unternehmen. Scheinbar werden alte Freunde schnell vergessen. Ich weiß selbst, wie mühsam es ist, sich aufzuraffen und ne Mail zu schreiben, bin ich doch selbst kein großer Mailschreiber, aber dann könnte man doch wenigstens so eine Gelegenheit nutzen. Eine Gelegenheit, die im Grunde schon ein Jahr früher feststeht, eine Gelegenheit, die quasi in die Grundfesten hier gemauert ist – das Straßenfest ist dazu da, Leute zu treffen.
Leute trifft man da, welche, die man länger nicht mehr gesehen hat, Leute, mit denen man nicht mehr viel zu tun, Leute, die man vielleicht auch gar nicht treffen wollte. Aber seine alten Freunde trifft man dort scheinbar nicht.
EDIT: Eine hat sich doch noch gemeldet. Heute gehts aufs Straßenfest :) Merke: alte Freunde sind nicht alle doof. Ein paar sind doch Freunde.
